Einige Worte zum plattdeutschen Theater in Ostbevern

 

Die Aufführung von Theaterstücken gehört sicherlich zu eine der ältesten Arten der Vergnügung. Wann mit der Aufführung von plattdeutschem Theater in Ostbevern begonnen wurde, ist urkundlich nicht nachzuweisen. Am Anfang des 20sten Jahrhunderts wurden Stücke wie "Meister Tüntelpott" und "Uese Dölfken" in Ostbevern aufgeführt. So findet sich zum Beispiel in unserem Fundus ein Textbuch aus dem Jahr 1913.

In den 20er Jahren des 20sten Jahrhunderts war es vornehmlich der damals im Ort bekannte Lehrer Kammer, der als Regisseur tätig war und die Pflege der plattdeutschen Sprache zu seinem Hobby machte. Unter seiner Regie wurden Stücke wie "Räuber auf Maria Kuhn", "Henkerssohn und Zigeunerin" und andere aufgeführt.
Damals wurde im Saale Steinhoff, heute im Besitz der Familie Nuyken (Hotel Restaurant Beverhof), gespielt.

ein Flugblatt aus dem Jahr 1936

In die Fußstapfen von Lehrer Kammer trat dann, nach Gerd Tenhumberg, August Eschkotte. Ein Mann der mit seiner jahrzehnte langen Bühnenerfahrung ein wirklich würdiger Nachfolger war. Während seiner Zeit wurden Stücke wie "Friggerie in'n Linnenkrug" gespielt. In diesem Stück spielte er in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts unter der Regie von Gerd Tenhumberg die Rolle des Kloas Back. Bei dem selben Stück führte er 1979 die Regie. Mittlerweile spielte man im Saal der Gaststätte Sendker.
Ein weiteres Kuriosum dieses Stücks: Heiner Bickmann spielte in beiden Aufführungen die Rolle des Schumachermeisters Hinnerk Lütke.

Nach dem Tod von August Eschkotte im Juni 1986 übernahm Josef Overlöper die Regie. Im März 1987 wurde das Stück "Swattbunte Fiäken" aufgeführt. August Eschkotte wollte Josef Overlöper bei diesem Stück als seinen Nachfolger einarbeiten. Dies war ja nun leider nicht mehr möglich, aber durch Overlöpers langjährige Bühnenerfahrung und die Unterstützung der gesamten Laienspielschar wurde dieses sowie die folgenden Stücke volle Erfolge. Zudem ließ er es sich nicht nehmen, selbst eine größere Rolle zu übernehmen.
August August Eschkotte +

Im Jahr 1988 war die 900 Jahr-Feier der Gemeinde Ostbevern. Dr. Hermann Wiegmann schrieb basierend auf authentischen Ostbeveraner Gerichtsakten des 16ten Jahrhunderts das Stück "Der Dieb und der Ehebrecher" Auch dieses Stück wurde von der Laienspielschar inszeniert, allerdings wurde es nur zweimal im Rahmen der Festwoche aufgeführt. Da aber dieses Stück sehr aufwendig war, wurde beschlossen nicht im März 1989, wie es Tradition gewesen währe, wieder einen plattdeutschen Klassiker zu spielen, sondern erst 1990. Ferner wurde durch die Jubiläumsfeier der Kontakt zur Gemeinde vertieft, so daß die Laienspielschar seitdem ihre Aufführungen in der Aula der Hauptschule abhalten dürfen. Seit 2012 wird in der neuen Aula/Mensa der Josef-Annegarn-Schule, wie die Hauptschule heute heißt, gespielt.

Es kam das Jahr 1990. Es sollte das Stück "Verdreihte Verwandschopp" aufgeführt werden. Ungefähr 4 Wochen bevor der erste Vorhang aufgehen sollte und eine Woche vor dem Begin des Kartenvorverkaufs erkrankte Regiseur und Akteur Josef Overlöper plötzlich schwer. Alle Aufführungen mußten abgesagt werden.

Josef Overlöper stand der Laienspielschar leider nicht mehr zur Verfügung. Dies war die Stunde von Heiner Bickmann. Ein Mann, der zu der Zeit schon auf eine fast 50 jährige Bühnenerfahrung zurückblicken konnte.
Unter seiner Regie wurde "Verdreihte Verwandschopp" 1991 neu aufgelegt. Die Besetzung musste komplett geändert werden und das Stück erlebte eine unglaubliche Premiere im März 1991.

Josef Overlöper verstarb am 30.12. 2001.

Heiner Bickmann und auch seinerzeit Josef Overlöper betrieben aktive Nachwuchsförderung. Die Landjugend Ostbevern führt jedes Jahr zum Erntedankfest einen etwa 30 minütigen Einakter auf. Die Regie führt seit Overlöper ein Mitglied der Laienspielschar. Seit 2004 hat diese Aufgabe Hermann Kövener übernommen.
Hier wird unser Nachwuchs entdeckt und gefördert. Denn unser Problem ist, daß nur noch wenige Menschen die plattdeutsche Sprache als Muttersprache kennen. Für die meisten ist es die Zweit- oder Drittsprache.

Am 04. April 2009 wurde Heiner Bickmann auf offener Bühne verabschiedet. Er stand von 1947 bis 1988 auf Osteverns Bühnen und übernahm 1991 die Regie.

Heiner Bickmann verstarb mit 91 Jahren am 14.01.2018

In der Spielzeit 2012 bei "Bedde un Fröhstück" gab es erstmalig eine Doppelregie. Hildegard Wegmann und Paul Verenkotte jun. übernahmen gemeinsam die Spielleitung.

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In der Folgezeit wechselte die Regie

2014 Hildegard Wegmann

2016 & 2018 Hermann Kövener

 

   
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